Landespolitik hautnah erleben Drei Landtagsabgeordnete folgen der Einladung der 10. Gymnasialklassen der Holderbergschule

„Wir kommen euch gerne an der Holderbergschule besuchen.“ So lautete im Februar der Abschiedssatz der beiden Landtagsabgeordneten Dr. Matthias Büger (FDP) und Jörg Michael Müller (CDU), anlässlich des Besuchs der beiden 10. Gymnasialklassen der Holderbergschule im hessischen Landtag.

 

Die Übergabe des zum Markenzeichen gewordenen 5-Liter-Apfelsaft-Kartons, Erzeugnis der schuleigenen Streuobstwiese, erfreute die drei Landespolitiker. Von links: Jörg Michael Müller (CDU), Stephan Grüger (SPD), Dr. Matthias Büger (FDP), die Schulleiterin Andrea Rink.

Eine entsprechende Einladung erfolgte prompt und so begrüßten am Freitag, 7. Juni die zwei Fachlehrer mit ihren Klassen und die Schulleiterin Andrea Rink die beiden CDU- und FDP-Abgeordneten zusammen mit Stephan Grüger von der SPD. Zwei Schulstunden lang stellten sich die langjährigen Politiker den vorbereiteten Schülerfragen zu unterschiedlichsten Themen. Die Redezeit betrug jeweils drei Minuten, deren Einhaltung Vanessa Schäfer und Charlize Adamo (beide 10G1) behutsam anmahnten. Moderiert wurde die Fragerunde von Henry Krenzer und Till Hudel (beide 10G2). In abwechselnder Reihenfolge wurden die persönlich vorgetragenen Schülerfragen fundiert und sprachlich verständlich beantwortet – aus der Perspektive der jeweiligen Partei. Kleine Sticheleien gegen die Position des politischen „Gegners“ blieben natürlich nicht aus, aber hielten sich immer im Rahmen. „Wir begegnen uns grundsätzlich mit Respekt“, so Stephan Grüger, „auch wenn wir inhaltlich nicht selten weit auseinander liegen“.  Hier bezog sich der SPD-Politiker konkret auf das „Rezo-Youtube-Video“, das selbstverständlich auch thematisiert wurde. „Der Titel des Videos drückt eine Respektlosigkeit aus, die ich nicht akzeptieren kann.“ - „Der Nachteil von politischen youtube Videos wie diesem ist, dass sie keine direkte Stellungnahme ermöglichen“, so Jörg Michael Müller. „Ich diskutiere und ‚streite‘ gerne“, so Müller. „Sinnvoll wäre es, auf bestimmte Themen, die von Rezo angesprochen werden, argumentativ zu reagieren und so eine politische Diskussion zu eröffnen.“ – Respektvollen Umgang hätte Dr. Büger sich bereits in jüngeren Jahren gewünscht. „Ich hatte mich für den Wehrdienst entschieden und wurde deswegen von Mitschülern hart angegangen, weil es nicht dem Zeitgeist entsprach. Das fand ich schade.“ 

Auch zu den „Fridays for future“ bezogen alle drei Politiker Stellung. „In Eurem Alter haben wir auch demonstriert, damals ging es für mich um alternative Energien“, so Stephan Grüger, der  als Mitglied des Bundesvorstandes der Jungsozialisten in der SPD (Jusos) als der Initiator für die Solarkampagne der Jusos zuständig gewesen war und im Landtag der energiepolitische Sprecher der SPD-Fraktion ist.

Jörg Michael Müller zeigt ebenfalls ein gewisses Verständnis für die demonstrierenden Schülerinnen und Schüler, mahnt aber an, dass eine nachhaltige Beeinflussung und Veränderung der Welt am besten durch eine fundierte Bildung erreicht werden kann. Sein politisches Engagement zeigt der Jurist aus Herborn auf Stadt-, Kreis- und seit Januar 2019 auch auf Landesebene.

Als Sprecher der FDP-Fraktion im Landtag für Hochschule, Wissenschaft, Forschung und Technologie nahm Dr. Büger Stellung zur Frage nach der Diskussionen um Artikel 13/17 (Upload Filter) und den Umgang mit den Beteiligten. „Das Urheberrecht gilt es zu schützen. Aber wie schon öfter in der Politik ist über das Ziel hinausgeschossen worden. Das halte ich für einen Fehler.“

Nach Stellungnahmen zu den Themen „Europa Wahlen“, „Einwanderung/ Integration“, „Sicherheit“, „Bildung“ und „Infrastruktur/ Verkehr“, forderten alle drei Politiker die Jugendlichen zu politischem Engagement auf. „Seid nicht nur Konsumenten, sondern nehmt das Leben in die Hand. Die Welt wird nicht durch Verweigerer, sondern durch Erfinder verändert.“, so die einhellige Position der Landtagsabgeordneten, die sich bei der Schulleiterin und bei den Schülern für die Einladung bedankten. „Unser Angebot an die Schulen zu kommen wird von weniger als 10 % der Schulgruppen im Landtag wahrgenommen. Und so gut vorbereitet auf unseren Besuch wie ihr sind nur wenige Klassen.“ Andrea Kluth und Jürgen Schalwat, Organisatoren dieser Podiumsdiskussion, wiesen auf die engagierte politische Arbeit, besonders  in der Oberstufe der Dillenburger Gymnasien, hin, an die die Mehrheit der scheidenden Holderbergschülern nach den Sommerferien wechselt.